Frauen stärken. Familien entlasten.

Der Internationale Frauentag ist kein Blumenstrauß-Feiertag. Er ist Erinnerung und Auftrag zugleich – auch für die Kommunalpolitik. In Brandenburgs Kommunalparlamenten stellen Frauen nicht einmal ein Drittel der Mitglieder; nur 13,5 Prozent der Bürgermeisterämter sind weiblich besetzt. Das ist kein Zufall, denn Frauen tragen oft eine zusätzliche Last: Ihnen wird Kompetenz abgesprochen oder ihre Durchsetzungsstärke angezweifelt, sie erleben abfällige Bemerkungen über ihr Aussehen, werden häufiger unterbrochen und müssen sich Anerkennung oft härter erarbeiten. Hinzu kommt: Sitzungen finden am Abend statt, Betreuung ist Privatsache. Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, muss politische Teilhabe aufwendig organisieren. Das Engagement von Frauen beginnt daher oft lange vor dem ersten Tagesordnungspunkt.

Die Brandenburgischen Frauenwochen stehen dieses Jahr unter dem Motto „Wut trifft Feminismus“. Diese Wut ist berechtigt. Wenn Männer laut werden, gelten sie als durchsetzungsstark, Frauen dagegen als hysterisch. Doch Wut ist kein männliches Privileg. Frauen müssen ihre Stimme erheben und wütend sein dürfen – auch in Lübben, wenn Betreuungszeiten in Kitas und Horten wackeln, Erzieherinnen kündigen, Gruppen zusammengelegt werden und Eltern nicht wissen, ob ihr Kind einen verlässlichen Betreuungsplatz behält. Wer möchte, dass junge Familien bleiben oder sich ansiedeln, muss Planungssicherheit schaffen. Deshalb schlagen wir einen jährlichen Kita- und Hortbetreuungsmonitor vor, der Personal, Ausfallzeiten, Betreuungssituation, Räumlichkeiten sowie die Entwicklung von Geburten und Zuzügen erfasst und veröffentlicht. Ein trägerübergreifender Arbeitskreis „Kita & Hort in Lübben“ soll die Ergebnisse auswerten und Lösungen entwickeln. Familienfreundliche Politik bedeutet, strukturelle Hürden abzubauen, die besonders Frauen treffen.

Stephan Loge, Sarah Benke-Åberg, Carola Köhler
Fraktion SPD-Bündnis 90/Die Grünen

Erschienen am 13. März 2026 im Lübbener Stadtanzeiger